Erfahrungsbericht LEX Ägypten
Am 28. März 2023 flogen 36 Mitglieder der Landjugend Niederösterreich im Zuge der Landesexkursion nach Ägypten.
Nach über 3 Stunden Flug kamen wir abends endlich in Kairo, der Hauptstadt Ägyptens an, wo wir mit einem Reisebus, begleitet von einer Polizei Eskorte, ins Hotel gebracht wurden. Während der Fahrt erhielten wir einen kurzen Überblick über unsere Reiseziele und erfuhren einiges über unseren Reiseleiter Ahmed.
Nach einem traditionellen Abendessen ließen wir den Abend gemeinsam gemütlich ausklingen und lernten alle fremden Gesichter etwas kennen.
Am nächsten Morgen starteten wir sehr früh in den Tag und fuhren zur Muhammad Ali Moschee, die im Jahr 1176 aus Alabaster (Marmor) erbaut wurde. Ahmed gewährte uns einen ziemlich genauen Einblick in das Gebetshaus und die Abläufe der Gläubigen. Moslems beten 5-mal täglich, wobei nur freitags einmal gemeinsam stattfindet, wie bei uns die Sonntagsmesse. Vor dem Beten müssen sie sich waschen, und zwar im Gesicht, die Arme, Hände, Ohren und Füße. Dabei geht es jedoch nicht um das Reinigen mit Wasser sondern eher um die Streichbewegung und das damit verbundene Entfernen alles Schlechten. Danach werden die Schuhe ausgezogen und in Richtung Mekka mit den Anfangsworten „Allahu Akbar“, „Gott ist groß“, gebetet. In Moscheen hängen keine Gemälde, wie in christlichen Kirchen, da Gott nicht nachgebildet werden darf und keine Bilder von ihm existieren sollen. Stattdessen ist das Gebäude mit Reliefs und Mustern geschmückt. Das Betreten der Muhammad Ali Moschee beeindruckt durch seine Einfachheit und die gleichzeitige Rafinesse der Architektur. So hängen zum Beispiel 365 Lampen in der Kuppel und jede Lampe steht für einen Tag im Jahr. Solche Details machen das Gebetshaus zu einem interessanten Ort über den man mehr erfahren möchte.
Unser nächster Halt waren die berühmten drei Pyramiden: Cheops, Chephren und Mykerinos. Erstere wurde 2550 v. Chr. erbaut und die Ruhestätte des Pharaos Cheops. Sie überwältig mit ihren 146m Höhe und den verarbeiteten 3 Millionen Steinen. Am Bau der Pyramide waren 100 Tausend Leute beschäftigt, die jedoch hingegen unserer bisherigen Überzeugung keine Sklaven waren, sondern Bauern, die während den Überschwemmungen Zeit hatten, daran zu arbeiten. Sie bekamen Geld dafür, wurden mit Essen und Trinken versorgt und hatten Ärzte vor Ort.
Die Grabkammern der Könige wurden immer Richtung Norden platziert, dass sich die Verstobenen mit dem Polarstern vereinen und somit für ewig bestehen bleiben.
Chephren wollte seinen Vater übertreffen und lies seine Pyramide höher bauen, jedoch mit weniger Aufwand. Dies war ihm möglich, indem er seine einfach auf einen Berg baute und Cheops somit einholte.
Bis heute ist ungewiss, was sich noch alles in den Pyramiden befindet und ständig werden neue Entdeckungen gemacht.
Danach fuhren wir zur Sphinx, deren Kopf König Chephren und der Körper einen Löwen darstellt. Sie ist 73m lang und 20m hoch.
Anschließend besuchten wir noch das Ägyptische Museum, wo wir einige Mumien zu Gesicht bekamen und deren schön verzierten Sarkophage bewunderten. Wir bekamen Einblick in das Leben der Vergangenheit und die Erfindungen der Ägypter, die wir bis heute nutzen. Das Highlight war es, die Totenmaske des wohl berühmtesten Königs Tutanchamun zu sehen, der mit 18 Jahren König wurde und 1336 v. Chr. verstarb.
Am Abendprogramm stand dann noch der Bazar, den wir kurz vor Sonnenuntergang besuchten. Das ist eine sehr wichtige Zeit für die Araber während dem Ramadan, da sie dann seit Sonnenaufgang wieder etwas essen durften. Es war toll zu sehen, wie die Leute auf den Straßen zusammenhalten und sich gegenseitig zum Essen einladen.
Am Donnerstag fuhren wir für eine Nacht in die Oase und Stadt der Krokodile El Fayoum, wo wir die älteste Stufenpyramide Ägyptens sahen und betraten. Die Landschaft war hier sehr besonders, da man deutlich die Grenze zwischen Leben und Tod, Oase und Wüste sah.
Bei einer anderen Pyramide, die Hawara-Pyramide, gingen wir zu dem Ort direkt am Nil, wo unser Prophet Joseph damals gelebt hat.
El Fayoum bietet sehr viel fruchtbares Land und hat 850 Tausend Hektar Gewächshäuser erbaut, wo Gemüse und Obst gepflanzt ist, das die Einwohner versorgen soll.
Den Nachmittag entspannten wir dann im neuen Hotel am Pool, in der Sauna oder im Restaurant bevor uns am nächsten Morgen wieder einiges erwartete.
Am Freitagmorgen wurden wir von 9 Jeeps abgeholt und es ging für uns ins Unesco Weltnaturerbe Wadi Al Hitan und Wadi EL Rayan, das es sonst nirgends auf der Welt gibt. Beim ersten handelt es sich um das Tal der Wale, da hier vor einigen Jahren bis zu 18m lange Walskelette gefunden wurden. Diese kann man dort nun in einem kleinen Museum besichtigen. Außerdem ist es möglich durch die Wüste zu spazieren und einige Überreste an deren Ausgrabungsplatz zu bestaunen. Zu Mittag hatten wir das Glück in der anliegenden Cafeteria ein gemeinsames Gebet mitten in der Wüste zu erleben. Es war ein sehr schöner Moment zu sehen, wie die Leute gemeinsam voller Hingabe und Ruhe beteten.
Danach hatten wir eine wilde und lustige Fahrt durch die Wüstenlandschaft und kamen zum zweiten Weltnaturerbe, das inmitten einer Düne lag. Jedes der Mitglieder hatte plötzlich ein Strahlen im Gesicht, als wir die Dünen hinunter rannten und einen wunderschönen, klaren See erblickten. Als lebendige Buchstaben haben wir uns dann zu einem tollen Gruppenfoto in der Wüste aufgestellt und fuhren zum verspäteten Mittagessen ins Hotel und nach Kairo zurück.
Am nächsten Tag stand ein Highlight für einige der Mitglieder am Programm, da wir die 1977 gegründete Sekem Farm besuchten. Diese wurde auf 70 Hektar trockener Wüste gebaut und mit harter Arbeit in eine Oase umgewandelt. Neben Kühen und Schafen, baut die Farm alles für Tees, Heil- und Lebensmittel und Textilien an. Wir besichtigten die Tee- und Gewürzfabrik Lotus, sowie den Farmeigenen Kindergarten, die Schule und die Berufsschule. Der Gründer legte sehr viel Wert darauf, dass seine Arbeiter und die nächsten Generationen Bildung erfuhren. Des Weiteren gibt es noch ein Amphitheater, ein Hotel, eine Jugendherberge und eine Krankenstation auf dem riesigen Gelände. Sekem liefert seine Produkte an Demeter und Alnatura in Europa.
Es war toll für uns zu sehen, wie Landwirtschaft in Ägypten funktioniert und was sie für Produkte verkaufen, da viele von uns selbst einen landwirtschaftlichen Betrieb zuhause haben.
Am Sonntag mussten wir um 3 Uhr aufstehen, um unseren frühen Flug nach Luxor zu erreichen, wo wir dann die letzten zwei Nächte verbrachten. Diese Stadt hat im Vergleich zu Kairo nur 200 Tausend, anstatt 22 Millionen Einwohner. Gleich nach dem Flug fuhren wir zum Karnak Tempel und besichtigten diesen. Über eine Sphingen-Allee und einen Hof voller riesigen Statuen gelangt man in den beeindruckenden Säulensaal mit 134 massiven Säulen voller farbigen Reliefs. Dieser Saal war Drehort für einen James Bond Film und Tod am Nil von Agatha Christie.
Als nächstes sahen wir zwei Obelisken, die zwischen 200 und 326 Tonnen schwer sind und aus einem Stück Rosengranit bestehen.
Anschließend fuhren wir zum Hatshepsut Tempel, der vom Berg umarmt wird. Dort erfuhren wir viel über dessen Geschichte und die Bedeutung einiger Reliefs.
Der letzte Halt war das Tal der Könige, welches aus 62 Gräbern verstobener Könige besteht. Wir durften drei davon besichtigen, indem man wunderschön bemalte und verzierte Gänge entlang geht, bis man zur Stelle gelangt, wo einst der Sarkophag lag. Nach dem langen und heißen Tag ging es ab ins Hotel zum Ausruhen und nach Sonnenuntergang zum wunderschön beleuchteten Luxor Tempel.
Am Montag hieß es für die meisten von uns wieder vor Sonnenaufgang aufstehen, weil wir eine Ballonfahrt über Luxor gebucht hatten. Wir fuhren mit dem Bus zum Nil und überquerten diesen mit Motorbooten, um zum Startplatz zu gelangen. An diesem Morgen starteten 52 Ballone mit Körben von bis zu 32 Leuten. Wir betrachteten die wunderschöne Landschaft und sahen, die Sehenswürdigkeiten des Vortages nochmal von oben. Nach der Landung in der Wüste hatten wir den Vormittag frei und genossen den heißen Tag am Pool oder im Bazar, um kleine Andenken an den Urlaub zu besorgen.
Am Nachmittag stand Action am Programm und unser erster Halt war das Kamel-, Esel- und Pferdereiten. Mit einer Kolonne an Landjugendmitgliedern am Rücken der Tiere erkundeten wir die Stadtteile, in die man sonst als Tourist nicht hineingehen würde. Wir sahen die Straßen, wo die einfachen Leute und ihre Kinder wohnen, die uns freudig zugewunken haben.
Danach wurden wir wieder von Jeeps abgeholt und rasten mit Quads durch die endlose Wüste. Nach diesem abenteuerlichen Tag trafen wir uns mit Ahmed noch auf der Dachterasse des Hotels und ließen den Urlaub Revue passieren. Er erzählte uns noch einiges über sich selbst und wir gaben ihm als kleines Dankeschön ein Abschiedsgeschenk. Nach Volkstanzunterricht und netten Gesprächen fielen wir ins Bett und trafen uns um 6 Uhr morgens im Bus wieder, um die Heimreise anzutreten.
Das Fazit der diesjährigen Landesexkursion ist, dass es ein sehr toller Einblick in das Leben der Ägypter und deren Geschichte war. Ahmed, unser Reiseleiter gestaltete die Ausflüge sehr interessant und war voller Leidenschaft dahinter, dass man ihm ewig zuhören könnte.
Wir erfuhren nicht nur das Grundwissen über das Land, sondern auch über die Kultur, Bräuche und die Landwirtschaft. Ahmed vermittelte uns sehr viele Insider, die man sonst nicht so leicht erhalten würde.
Anfangs war es etwas bedenklich, dass wir genau während des Ramadans nach Ägypten flogen, jedoch stellte es sich im Nachhinein als große Bereicherung heraus. Wir konnten hautnah erleben, wie Menschen gemeinsam durchhalten und sich gegenseitig stärken. Menschen, die fast nichts materielles haben und sich dann trotzdem voller Freude auf die Straße stellen und Essen und Trinken verteilen oder in ihre Restaurants einladen, um zusammen zu Essen und zu Feiern.
Es war ein echt toller und sehr gut organisierter Ausflug, der viel Abwechslung und Einblicke bot.
DANKE an Karoline Lutz, für diesen ausführlichen und spannenden Bericht!