LJ Bogen

Aussendungen

Besuch am Bauernhof der Menschlickeit

8 Familien, insgesamt 40 Leute aus Syrien, Afghanistan und dem Irak! Zu Besuch bei Familie Edy in Rainfeld, Bezirk Hainfeld-Lilienfeld. Ein Positivbeispiel wie Integration von Flüchtlingsfamilien funktionieren kann.

 

Rückblick:  23.12.2015

 

Ein Bus fährt die Allee in Rainfeld entlang und hält vor dem Hof der Familie Edy. Nach einer mehrstündigen Fahrt steigen die Passagiere  aus.

 

Sie waren da! Die ersten Familien, die aus ihrer Heimat flüchten mussten und aus dem Erstlager in Spielberg nun eine Chance auf eine Unterbringung bei der Familie Edy erhalten!

 

Ein freundliches „Hallo“ und „Salam aleikum“ gemischt mit einer Portion Ungewissheit und Unsicherheit macht sich in diesem Moment breit!

Wie werden das „Zusammenleben“, die tägliche Begegnung und die Kommunikation miteinander funktionieren? All diese Fragezeichen waren in den Gesichtern zu lesen.

 

Im Sommer 2015 startete die große Flüchtlingsbewegung. Ein Thema, das uns alle betroffen macht und nach wie vor betrifft!

Emotionen wie Mitleid, Unsicherheit und natürlich auch Angst vor der Zukunft begleiteten die schlimme Situation. Egal mit wem man sich unterhält, jeder versucht sich eine Meinung zu bilden und  zu positionieren. Diese Meinungen spalten die Gesellschaft von „Welcome Refugees“ bis hin zu den Überzeugungen hohe Mauern zu bauen!

Ein wichtiger Punkt, den man jedoch nie aus den Augen lassen sollte, ist jener dass bei all den verständlichen Angstzuständen die in der Gesellschaft vorherrschen nicht vergessen werden darf, dass diese Menschen nicht freiwillig geflüchtet sind sondern ihre Heimat verloren haben. Daher kann man sich vorstellen wie viel Angst und traumatische Erlebnisse die Seele dieser Menschen belastet!

 

 

Ein absolutes Positivbeispiel, wie man diesen Menschen wieder ein Stückchen fremde Heimat ermöglichen kann, haben wir bei der Familie Edy gefunden.

Sechs Monate nach dem Einzug vieler Flüchtlingsfamilien besuchten wir Gabriel Edy, ein engagiertes Landjugendmitglied und Agrarkreisleiter, um uns ein Bild der Situation vor Ort zu machen!

 

 

 


Im Gespräch mit Gabriel:

 

Was hat euch dazu bewegt, Leuten die ihre Heimat verloren haben eine Unterkunft zu bieten?

 

Gabriel: Dadurch, dass wir viel Raum und Platz zu Verfügung haben und unser erstmaliges Wohnhaus, bis auf den Bereich des Großvaters, leer stand, bot sich die Möglichkeit den Platz für Familien zu Verfügung zu stellen. Mittlerweile haben wir noch ein Haus zu Verfügung gestellt wo ebenfalls noch zwei Familien eingezogen sind!

 

 

Du hast gerade erwähnt, dass ihr noch mehr Wohnraum geschaffen habt. Wie viele Familien leben zurzeit bei euch?

 

Gabriel: Der derzeitige Stand sind insgesamt 8 Familien, sprich insgesamt 40 Leute und davon sind 20 Kinder bei uns.

 

 

Ich finde es großartig, dass ihr gerade Familien mit ihren Kindern die Chance gebt auf eine neue Heimat. Warum habt ihr euch für besonders  kinderreiche Familien entschieden?

 

Gabriel: Das kommt wahrscheinlich davon, dass wir selber eine kinderreiche Familie sind und meine Mutter, selber Sechsfach-Mutter, ein besonderes „Händchen“ im Umgang mit Kindern hat. Kinder sind auch jene, die am meisten auf den Schutz der Erwachsenen angewiesen sind. Man muss natürlich auch sagen, dass man beim Land Niederösterreich, welche die Zuteilung der Personen macht, deponieren kann welche Mitbewohner man bevorzugt aufnehmen möchte. Bei uns sind die Spielmöglichkeiten durch den Garten und die umliegende Natur perfekt für die Kinder.

 

 

Gabriel, uns ist auch zu Ohren gekommen, dass nicht alle in der Gemeinde begeistert über die Ankunft der Flüchtlinge waren. Wie seid bzw. wie geht ihr mit dieser Situation um?

 

Gabriel: Ja das stimmt! Aus diesem Grunde haben wir am 1. März 2016 eine Infoveranstaltung abgehalten um über die Bedenken der Bürger zu sprechen bzw. Informationen weiter zu geben. Insgesamt kamen um die 100 Bürger/innen, welche natürlich mit gemischten Gefühlen auch ihre Ängste und Sorgen kundtaten. Jedoch konnte bei diesem Infoabend auch vieles geklärt werden und mein Vater Leopold Edy betonte, dass in Verbindung mit seinen Schützlingen noch keine negativen Vorfälle stattgefunden haben. Natürlich muss man sagen dass es nach wie vor gespaltene Meinungen über diese Thematik gibt und wahrscheinlich auch immer geben wird. Trotzdem gibt es viele Bürger/innen, die sich in unterstützender Form, seien es Sachspenden und Co. mit den Familien auseinander setzen. Zum Beispiel wurden Fahrräder und Fahrzeuge, welche noch intakt waren beim Bauhof gesammelt und den Familien gegeben.

 

 

Eine Frage, die natürlich auch immer auftaucht, ist: Was machen die Leute den ganzen Tag? Dürfen sie irgendwelchen Beschäftigungen nachgehen?

 

Gabriel: Das ist natürlich ein großes Problem auch bei den Leuten selber, da diese solange sie im Asylverfahren sind, keinen Beschäftigungen nachgehen dürfen.

Immer wieder erleben wir, dass die Bewohner zu uns kommen und fragen ob sie uns irgendwo helfen dürfen. Um diese Situation zu ändern müsste sich an der Gesetzeslage etwas ändern. Einstweilen können sie sich um ihre Unterkunft und Familien kümmern, aber leider keine zusätzlichen Arbeiten annehmen.

 

 

Um die Fakten auf den Tisch zu legen: Wie sieht die finanzielle Unterstützung aus, bzw. was sind eure Aufgaben – euer Betreuungsaufwand?

 

Gabriel: Wir bekommen vom Land Niederösterreich einen Kostenzuschuss. Dieses Geld zahlen wir einmal pro Woche an die Bewohner aus und sie versorgen sich selber mit Lebensmittel.  Pro Tag und Kopf stehen jedem somit 5,50 € zur Verfügung. Ausgenommen von diesem Geld sind Hygieneartikeln wie Windeln, Toilettenpapier, Seifen…..das wird von uns zur Verfügung gestellt.

Betreuungstechnisch stehen wir immer für diverse Termine wie Arztbesuche, Schultermine und Co. zur Verfügung. Grundsätzlich sind wir 24 Stunden am Tag für die Familien erreichbar! Dieses Vertrauen ist uns wichtig und wird auch geschätzt. Auch bekommen wir von der Caritas und  der Diakonie Unterstützung!

 

 

Vielen Dank, Gabriel, für deine Zeit und deine Offenheit!

 



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